Genau hier setzt der neue kostenfreie Präsenzkurs des BRK-Kreisverbandes Haßberge in Kooperation mit der Gesundheitsregion Plus des Landratsamtes Haßberge an: „Wenn alles anders ist als gedacht“ - ein Lehrgang für Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten.
Der Kurs richtet sich an Bürgerinnen und Bürger, die verstehen möchten, wie sie in außergewöhnlichen Notlagen handlungsfähig bleiben. Denn die Realität zeigt: Deutschland ist verletzlicher geworden. Die Flutkatastrophe 2021 im Ahrtal, die Hitzesommer der letzten Jahre, regionale Blackouts oder Störungen in Lieferketten haben verdeutlicht, wie schnell gewohnte Strukturen ins Wanken geraten können.
Laut aktuellen Erhebungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe fühlen sich rund 40 Prozent der Deutschen nicht ausreichend vorbereitet. Gleichzeitig geben über 50 Prozent an, sich inzwischen aktiv mit Krisenvorsorge zu beschäftigen – ein deutlicher Anstieg gegenüber früheren Jahren. Diese Zahlen zeigen, wie sehr das Thema die Menschen bewegt und wie groß der Wunsch nach Orientierung ist.
Der BRK-Kurs greift genau diesen Bedarf auf. Unter Anleitung eines erfahrenen BRK-Ausbilders lernen die Teilnehmenden, wie sie in Ausnahmesituationen ruhig bleiben, Prioritäten setzen und lebensrettende Maßnahmen durchführen können. Die Inhalte reichen von Erster Hilfe in besonderen Gefahrenlagen über Selbst- und Nachbarschaftshilfe bis hin zu Grundlagen der Krisenversorgung. Besonders wertvoll sind die praxisnahen Übungen, die realistische Szenarien simulieren – etwa das richtige Verhalten bei eingeschränkter Infrastruktur, das Organisieren von Hilfe in der Nachbarschaft oder das Versorgen von Verletzten, wenn professionelle Kräfte erst später eintreffen können.
Doch der Kurs vermittelt mehr als nur Techniken. Er stärkt das Bewusstsein dafür, dass Bevölkerungsschutz nicht allein Aufgabe von Behörden ist. Jede und jeder Einzelne kann dazu beitragen, die eigene Umgebung resilienter zu machen. In Krisen zeigt sich immer wieder: Gemeinschaft trägt. Menschen, die vorbereitet sind, können anderen helfen, Unsicherheiten reduzieren und wertvolle Zeit überbrücken, bis professionelle Hilfe eintrifft. Genau diese Haltung möchte der Kurs fördern – eine Mischung aus Selbstvertrauen, Verantwortungsbewusstsein und Solidarität.
In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, wie eng Selbstschutz und gesellschaftlicher Zusammenhalt miteinander verwoben sind. Während der Energiekrise 2022 etwa gaben viele Menschen an, erstmals über Notvorräte, alternative Heizmöglichkeiten oder Kommunikationswege im Krisenfall nachgedacht zu haben. Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigt, dass fast 60 Prozent der Bevölkerung inzwischen zumindest grundlegende Maßnahmen der persönlichen Vorsorge getroffen haben – sei es durch das Anlegen eines Vorrats, das Erstellen eines Notfallplans oder das Informieren über lokale Warnsysteme.
Gleichzeitig fühlen sich viele weiterhin unsicher, wenn es um konkrete Handlungsschritte geht. Genau hier will der Kurs Orientierung geben. Er übersetzt abstrakte Empfehlungen in greifbare, alltagsnahe Fähigkeiten.
Auch die emotionale Komponente spielt eine Rolle. Katastrophen erzeugen Stress, Angst und das Gefühl von Kontrollverlust. Wer jedoch weiß, wie er handeln kann, erlebt weniger Hilflosigkeit. Der Kurs vermittelt daher nicht nur Wissen, sondern auch Sicherheit – das Gefühl, vorbereitet zu sein, Verantwortung übernehmen zu können und nicht passiv ausgeliefert zu sein.
Ziel ist es, dass Teilnehmende nach der Schulung mit einem neuen Blick auf ihre Umgebung nach Hause gehen: sensibler für Risiken, aber auch gestärkt durch das Wissen, im Ernstfall nicht allein zu sein.
Die Bedeutung solcher Angebote wächst stetig. Eine weitere Studie aus dem Bevölkerungsschutz zeigt, dass 92 Prozent der Landkreise und kreisfreien Städte in den vergangenen drei Jahren mindestens eine reale Krisensituation bewältigen mussten. Gleichzeitig wünschen sich viele Kommunen mehr Unterstützung bei der Aufklärung und Vorbereitung der Bevölkerung. Der BRK-Kreisverband Haßberge will hier ein starkes Zeichen setzen: Vorsorge beginnt im Alltag – und sie beginnt bei jedem selbst.
Das BRK bietet zwei Kurstermine an:
- Mittwoch, 8. Juli, 17:00 bis 21:30 Uhr, im Rotkreuzhaus Haßfurt
- Samstag, 18. Juli, 14:00 bis 18:30 Uhr im Rotkreuzhaus Hofheim
Eine Anmeldung beim BRK-Kreisverband Haßberge ist möglich unter Tel. 09521/9550-197 oder per E-Mail an: rotkreuzkurs.kv.has(at)brk(dot)de
Die Kurse sind für die Teilnehmer kostenlos.
Dieser Kurs ist mehr als eine Schulung. Er ist ein Angebot, das Mut macht. Ein Angebot, das Menschen befähigt, füreinander da zu sein. Und ein Angebot, das zeigt: Auch wenn alles anders kommt als gedacht – wir können vorbereitet sein!
Autor: Michael Will




