Hier informieren wir regelmäßig mit aktuellen Presseinformationen und Meldungen über die Arbeit des BRK Kreisverbands Haßberge.

· Pressemitteilung

Über 260 Einsatzkräfte proben den Ernstfall im Tunnel „Schwarzer Berg“

Foto: Michael Will / BRK
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Blaulichter erhellten am Samstagabend den Tunnel „Schwarzer Berg“ an der A70, Einsatzkräfte eilten mit Rettungsgerät zu mehreren Unfallfahrzeugen, aus einem Reisebus wurden Menschen geführt. Was wie ein schweres Unglück aussah, war jedoch eine realitätsnahe Großeinsatzübung. Über 260 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bayerischem Roten Kreuz, Polizei und Technischem Hilfswerk trainierten am 5. September das Zusammenspiel bei einem schweren Verkehrsunfall im Autobahntunnel. 35 Verletzte mussten versorgt werden.

Geplant und vorbereitet wurde die Übung federführend von der Kreisbrandinspektion Haßberge und dem Landratsamt Haßberge. Im Mittelpunkt stand die gesamte Rettungskette – von der Alarmierung und technischen Rettung über die medizinische Versorgung und Betreuung bis zum Abtransport der Verletzten.

Der Einsatz begann kurz nach 19:00 Uhr zunächst mit der Meldung eines Auffahrunfalls in Fahrtrichtung Bamberg. Die Feuerwehr Knetzgau wurde mit dem Stichwort „THL 1“ alarmiert, für den Rettungsdienst wurden ein Rettungswagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug und der Einsatzleiter Rettungsdienst entsandt. Vor Ort zeigte sich schnell ein deutlich größeres Schadensbild: Ein Pkw war auf ein Stauende gefahren, ein weiterer Wagen durch einen Lastwagen auf das erste Fahrzeug geschoben worden. In den drei Fahrzeugen befanden sich acht Verletzte, mehrere davon eingeklemmt.

Zusätzlich war ein Reisebus in das Stauende gefahren. Er stand schräg in der Tunnelröhre und versperrte die Durchfahrt; rund 20 Fahrgäste befanden sich darin. Einige waren verletzt, andere benötigten Betreuung. Für die Feuerwehr erschwerte nicht nur der Bus den Zugang zur Unfallstelle und den Transport des schweren Rettungsgeräts, auch ein durch mehrere Lastwagen erzeugter Rückstau machte ein Durchkommen unmöglich. Die beengten Platzverhältnisse und mögliche zusätzliche Gefahren machen Einsätze in Tunneln besonders anspruchsvoll. So mussten die Einsatzkräfte teilweise durch die andere Tunnelröhre in Richtung Schweinfurt anfahren und sich durch Querstollen Zugang verschaffen, andere fuhren entgegengesetzt der Fahrtrichtung von Eltmann kommend an.

Nach der ersten Erkundung wurde die Alarmstufe auf „THL 5 – Bus/LKW, mehrere eingeklemmte Personen“ erhöht und zusätzlich ein Massenanfall von Verletzten (MAN) für den Rettungsdienst ausgelöst. Weitere Feuerwehren aus Sand, Eltmann, Ebelsbach und Haßfurt sowie die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung, die Kreisbrandinspektion und ein THW-Fachberater rückten an.

Auch der Rettungsdienst wurde verstärkt. Vorgesehen waren insgesamt fünf Rettungswagen, drei Krankentransportwagen und drei Notarzteinsatzfahrzeuge mit vier Notärzten. Eine zentrale Aufgabe des BRK war die Sichtung der 35 Verletzten. Bei einem MANV werden Patienten nach der Dringlichkeit ihrer Behandlung eingestuft; Ziel ist es, Schwerstverletzte zügig zu identifizieren, zu stabilisieren und schnellstmöglich in Kliniken zu transportieren. Parallel zur technischen Rettung mussten Feuerwehr und Rettungsdienst eng abstimmen, wie eingeklemmte Personen möglichst schonend befreit werden konnten.

Neben der medizinischen Versorgung spielte die Betreuung eine wichtige Rolle. Nicht jeder Businsasse benötigte einen Rettungswagen, doch auch unverletzte Menschen können nach einem Unfall Orientierung und Unterstützung brauchen. Dafür waren unter anderem die SEG Betreuung sowie verschiedene Transport- und Unterstützungseinheiten des BRK eingebunden. 

Nach Sichtung und Erstversorgung wurden die Patienten für den Abtransport vorbereitet und den vorgesehenen „Kliniken“ zugeführt. Dabei mussten Behandlungsdringlichkeit und verfügbare Transportkapazitäten zusammenpassen. Eine gemeinsame Einsatzleitung von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei und THW im Hof des Betriebsgebäudes der Autobahn GmbH führte die Informationen und Maßnahmen der verschiedenen Organisationen zusammen.

Auf Seiten der Feuerwehr waren rund 145 Kräfte beteiligt, das BRK stellte knapp 80 Kräfte. Hinzu kamen zwölf von Polizei und 20 vom THW sowie weitere Führungs- und Unterstützungskräfte. Die Gesamtübungsleitung hatte Kreisbrandinspektor Thomas Neeb, die Übungsleitung der Feuerwehr lag bei Kreisbrandmeister Bernhard Finger, für den Rettungsdienst war Wolfgang Zweverink verantwortlich. Vor Ort machten sich unter anderem auch Landrat Michael Ziegler, Bürgermeister verschiedener Kommunen und weitere geladene Gäste ein Bild von der Übung.

Die BRK-Schminkgruppe der Realistischen Unfalldarstellung hatte die Mimen vorab mit realistisch aussehenden Verletzungen geschminkt. Am Ende der Übung gab es eine Abschlussbesprechung auf dem Gelände der Autobahnmeisterei Knetzgau, wo die Einsatzkräfte und Übungsbeteiligten von der SEG Verpflegung des BRK mit einem schmackhaften Imbiss versorgt wurden.

Am Ende ging es im „Schwarzen Berg“ nicht nur um Spreizer und Rettungsschere. Entscheidend war das Zusammenspiel: Menschen retten, Verletzte versorgen und transportieren, Betroffene betreuen, Informationen weitergeben und die zahlreichen Einsatzkräfte koordinieren. Genau diese Abläufe müssen im Ernstfall funktionieren.

Diese Rettungskräfte waren beteiligt:

Feuerwehr: Knetzgau, Eltmann, Sand, Ebelsbach, Haßfurt, Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG ÖEL), Kreisbrandinspektion Haßberge

THW: Fachberater THW mit Unterstützungsgruppe

Bayerisches Rotes Kreuz: SEG Transport 1(Bereitschaften Zeil und Knetzgau), SEG Transport 2 (Bereitschaft Ebern), SEG Information und Kommunikation (Bereitschaft Eltmann), SEG Betreuung (Bereitschaften Haßfurt und Untermerzbach), SEG Verpflegung (Bereitschaft Hofheim-Königsberg), SEG Technik und Sicherheit (Bereitschaft Memmelsdorf), Einsatzleiter Rettungsdienst, Sanitätseinsatzleitung mit Leitendem Notarzt und Organisatorischem Leiter, Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung, fünf Rettungswagen, drei Krankentransportwagen, drei Notarzteinsatzfahrzeuge mit insgesamt 4 Notärzten, Fachberater Psychosoziale Notfallversorgung.

Weitere Beteiligte: Verkehrspolizei Schweinfurt-Werneck, Polizeiinspektion Haßfurt.

Autor und Fotograf: Michael Will / BRK